Die 10 besten Tauchplätze in den Niederlanden
Tauchen in den Niederlanden bedeutet kaltes Wasser, beschränkte Sicht und eine Meeresfauna, die den meisten Mittelmeer-Tauchern völlig fremd ist: Seepferdchen in Seegraswiesen, riesige Hummer unter Molen, Tintenfische an Steinbrücken und bunte Nacktschnecken auf fast jedem Substrat. Die Wassertemperaturen schwanken zwischen 4 Grad im Winter und 20 Grad im August. Ein Trockenanzug ist vom Herbst bis zum Frühjahr Pflicht, im Sommer kommt man mit 7-mm-Nassanzug aus. Die Sichtweite variiert erheblich – von weniger als einem Meter in trüben Strömungsperioden bis zu 10 Metern in klaren Spätsommertagen. Wer sich auf das Ungewöhnliche einlässt, findet hier einige der spannendsten Kaltwassertauchgänge Nordwesteuropas.
1. Oosterschelde, Zeeland
Die Oosterschelde ist das Herzstück des niederländischen Tauchens. Das ehemalige Ästuar wurde durch den Deltaplan teilweise eingedämmt, bleibt aber tideabhängig mit Gezeitenströmungen, die bis zu 2 Knoten erreichen. An ruhigen Tidenwechseln sind Sichtweiten von 5 bis 8 Metern möglich. Seepferdchen, Tintenfische, Seesterne und dichte Muschelriffe prägen das Bild. Einstiegs-Tauchgänge sind rund um das Dorf Yerseke und am Zeelandbrug möglich. Erfahrene Taucher sollten Strömungstabellen studieren; ohne Strömungskenntnisse kann es gefährlich werden.
2. Grevelingenmeer, Zeeland
Das Grevelingenmeer ist für viele der beste Binnengewässer-Tauchplatz der Niederlande: salziger abgeschlossener See, kaum Strömung und Sichtweiten, die im Sommer regelmässig 8 bis 12 Meter erreichen. Unterwasser gibt es versunkene Strukturen, Muschelbänke und eine erstaunliche Dichte an Schleimfischen, Seescheiden und kleinen Krebsen. Goese Sas am Nordwestufer ist der bekannteste Einstieg und gilt als klassischer Anfängerstandort. Wassertemperatur im August um 20 Grad. Ganzjährig tauchbar, beste Bedingungen Juli bis September.
3. Puttis Place, Oosterschelde
Puttis Place liegt an einer alten Mole im Südwesten der Oosterschelde und ist ein Muss für Makrofotografen. Die Mole bietet Strukturen für Seescheiden, Nacktschnecken und Krebse, und unter den Pfeilern hausen Hummer mit beeindruckender Körpergrösse. Die Tiefe beträgt maximal 12 Meter. Bei Ebbe entstehen Strömungen, die einen guten Tauchzeitpunkt rund um den Tidenwechsel erfordern. Ideal für Advanced-Taucher, die Geduld für das Kleine mitbringen.
4. Noordbout, Grevelingenmeer
Noordbout ist einer der strukturiertesten Tauchplätze im Grevelingenmeer. Eine versunkene Reihe aus Betonblöcken und alten Fundamenten bietet Lebensraum für zahlreiche Organismen, und die ruhige Strömungslage erlaubt es, sich in aller Ruhe auf wenige Quadratmeter zu konzentrieren. Schleimfische lugen aus jeder Spalte, Tintenfische lauern am Rand. Open Water tauglich. Beste Monate: Juni bis September, wenn die Sicht am besten und das Wasser am wärmsten ist.
5. Lokkersnol, Grevelingenmeer
Lokkersnol liegt am Südwestufer des Grevelingensees und kombiniert weiche Schlickbereiche mit felsigen Substratpartien. Die Tiefe beträgt hier bis zu 20 Meter, was für Grevelingenverhältnisse sehr tief ist. Schnauzenhafte Flussneunaugen werden gelegentlich in flacheren Bereichen gesichtet, und im tiefen Bereich findet sich eine ungewöhnliche Dichte an Nacktschneckenarten. Gut für Advanced-Taucher, die mehr Tiefe und Abwechslung suchen als an den bekannteren Flachplätzen.
6. Kisternol, Grevelingenmeer
Kisternol ist vor allem für seine Seepferdchenpopulation bekannt. Im Seegras tummeln sich Europäische Seepferdchen (Hippocampus hippocampus) in beachtlicher Dichte – ein Anblick, der selbst erfahrene Taucher begeistert. Die Tiefe liegt bei 5 bis 10 Metern, die Sicht ist im Sommer ausgezeichnet. Fotografen sollten vorsichtig und bodenschonend tauchen, um die empfindliche Seegraswiese nicht zu beschädigen. Open Water tauglich. Beste Zeit: Juli bis Oktober.
7. Levensstrijd, Zeeland
Der Name – „Überlebenskampf" – stammt von einem alten Schiffswrack, das an dieser Stelle liegt. Das Wrack liegt in 10 bis 15 Metern Tiefe und ist mit Muscheln und Korallen überwachsen. Die Sicht ist wetterabhängig und kann zwischen 1 und 8 Metern variieren. Das Wrack bietet gute Strukturen für Tintenfische und Stachelschnecken. Erfahrene Open-Water-Taucher kommen gut zurecht; bei schlechter Sicht braucht man Kompasserfahrung und einen erfahrenen Guide.
8. Kulkenol, Grevelingenmeer
Kulkenol ist ein ruhiger Einstiegspunkt am Nordost-Ufer des Grevelingensees mit gutem Parkplatz und einem einfachen Abstieg über eine Steinrampe. Unter Wasser dominieren Muschelbänke und dichter Bewuchs aus Seescheiden. Tiefe bis 15 Meter, ausgezeichnete Sicht im Sommer. Besonders empfehlenswert für Kinderkurse und Einstiegsschnorchler, da die ersten Meter sehr flach und ruhig sind. Für erfahrene Taucher bietet ein leichter Drift am Nordost-Rand interessante Strukturen.
9. De Val, Grevelingenmeer
De Val ist einer der tiefer gelegenen Tauchplätze im Grevelingensee mit einem steilen Gefälle bis auf etwa 20 Meter. Der Übergang von flachem Seegras in tiefere Schlickbereiche ist hier besonders ausgeprägt. In der Tiefe finden sich Langusten und gelegentlich Seezungen, die halbvergraben im Schlick ruhen. Advanced Open Water empfohlen wegen der Tiefe. Beachte die Tauchgangszeit – Tabellenwerte für Stickstofffüllung in 20 Metern Tiefe sind entsprechend zu planen.
10. Zeelandbrug, Oosterschelde
Die Zeelandbrug ist eine 5-Kilometer-Brücke, unter deren Pfeilern sich eine einzigartige Unterwasserwelt entwickelt hat. Der künstliche Hartboden ist mit Muscheln, Seescheiden, Weichkorallen und Schwämmen besiedelt. Strömung läuft hier je nach Tidestand entweder nördlich oder südlich – wer das richtig timed, macht einen entspannten Drifttauchgang entlang der Pfeiler. Tiefe 8 bis 15 Meter. Advanced-Niveau empfohlen wegen der Gezeitenströmung. Eines der ikonischsten Tauchziele der Niederlande.
Praktische Informationen
Tauchsaison in den Niederlanden ist ganzjährig, aber die beste Sicht und wärmste Wassertemperatur gibt es von Juni bis September. Trockentauchanzüge sind von Oktober bis Mai nahezu obligatorisch. Zeeland ist per Bahn oder Auto gut von Amsterdam und Rotterdam erreichbar. Zahlreiche Tauchschulen in Middelburg, Goes und Zierikzee vermieten Ausrüstung und bieten geführte Tauchgänge an. Öffne die Karte, um alle eingetragenen Tauchplätze in der Oosterschelde und im Grevelingensee mit GPS-Koordinaten zu durchsuchen.