Die 10 besten Tauchplätze im Sudan
Das sudanesische Rote Meer ist für viele erfahrene Taucher das schönste Revier der Welt — und das ist keine Übertreibung. Die Kombination aus historischen Wracks von Weltrang, ausgedehnten Riffsystemen ohne Massentourismus, exzellenten Haibegegnungen und lebendigen Korallen hat einen Grund: Diese Gewässer sind seit Jahrzehnten nur per Liveaboard zugänglich, was sie vor Überfischung und Tauchmassentourismus schützte. Sha'ab Rumi ist berühmt durch Jacques-Yvess Cousteaus Conshelf-II-Projekt von 1963; die Umbria im Hafen von Port Sudan ist eines der besten Wracks der Welt. Wer einmal im Sudan getaucht hat, fragt sich danach, warum er vorher woanders war. Öffne die Karte für alle verzeichneten Plätze.
1. Sha'ab Rumi, Nördliches Sudan
Sha'ab Rumi ist ein hufeisenförmiges Riff mit einem der aufregendsten Außenrifftauchgänge im Roten Meer. Die südliche Spitze, bekannt als South Point, ist berühmt für ihre Hammerhai-Aggregationen: Von November bis März versammeln sich teils Dutzende, in guten Jahren über hundert Hammerhaie in der blauen Wassersäule außerhalb des Riffs. Am Boden auf dreißig bis vierzig Metern Tiefe liegt zudem das Betonkonstrukt der Conshelf-II-Unterwasserwohnanlage von Cousteau — noch weitgehend intakt, bewachsen und unheimlich. AOW-Niveau Minimum; Erfahrung mit Strömungen essenziell.
2. Wrack der Umbria, Port Sudan
Die Umbria ist das Flaggschiff der Sudan-Taucherei. Der 150 Meter lange italienische Frachter sank am 10. Juni 1940, versenkt von seiner eigenen Besatzung beim Kriegseintritt Italiens — die Ladung umfasste Flugzeugbomben, Zünder und andere Munition, die noch heute an Bord sind. Das Wrack liegt auf 25 bis 35 Metern Tiefe im Hafen von Port Sudan, vollständig erhalten und tief bewachsen. Napoleonfische und Kabeljaue schwimmen durch die Laderäume. Eines der zehn besten Wracks der Welt — und mit wenig Betrieb pro Saison fast immer in stiller Atmosphäre.
3. Sanganeb Atoll, Offshore Sudan
Sanganeb ist eines der wenigen echten Atoll-Riffe im Roten Meer — eine ringförmige Korallenwüste, die steil aus tiefstem Blau aufsteigt. Die Außenwände des Atolls gehen in Tiefen von über 200 Metern über; Hammerhaie, Graue Riffhaie und Silberspitzenhaie patrouillieren die Kanten. Die Korallendichte an den Wänden ist außergewöhnlich. Im Inneren des Atolls bieten flachere Riffe mit Schildkröten und Sandboden eine Erholung vom Tieftauchen. Liveaboard-only; kein Day-Trip möglich.
4. Sha'ab Suedi — Blue Belt / Toyota Wrack
Sha'ab Suedi ist ein Riff nördlich von Port Sudan mit einem ungewöhnlichen Wrackduo. Das Frachtschiff Blue Belt sank Anfang der 1970er Jahre; auf dem Deck in vierzehn bis neunzehn Metern Tiefe liegt noch immer die unveränderte Ladung: Dutzende von Toyota-Pickup-Trucks, rostend aber erkennbar, in einer surrealen Unterwasser-Garage. Haie patrouillieren die Riffaußenwände; Gorgonien und Weichkorallen wachsen üppig auf dem Rumpf. Der Tauchgang ist eine Mischung aus Kunst, Geschichte und Biologie.
5. Angarosh, Nördliches Sudan
Angarosh ist eines der entferntesten Riffe im sudanesischen Roten Meer und bekannt für intensive Haibegegnungen. Graue Riffhaie sind permanent präsent; Hammerhaie kommen in der Winterströmung. Die unberührten Korallenplateaus sind dicht besiedelt von Napfalgen, Tisch-Acropora und großen Gorgonien. Kein Tourismus außer Liveaboards; Strömung kann auf der Außenseite erheblich sein. Nur für erfahrene Taucher; tiefe Wände erfordern AOW oder Technical Diver-Erfahrung.
6. Sha'ab Claudia, Port Sudan-Bereich
Sha'ab Claudia ist ein ruhigeres Riff östlich von Port Sudan, bevorzugt für entspanntes Rifftauchen zwischen den anspruchsvollen Haiplätzen. Schildkröten frequentieren die Plateaus; Napfalgenfelder auf fünf bis zwölf Metern bieten einem bunten Aufgebot von Papageifischen Nahrung. Die Strömung ist moderat, die Sicht gut. Ideal als Mittag- oder Nachmittagstauchgang auf einem Liveaboard.
7. Sha'ab Angaro, Küstenbereich
Ein Küstennahriff südlich von Marsa Alam auf sudanesischer Seite (je nach Seerechtsgrenzen auch ägyptisch), Sha'ab Angaro bietet eine außerordentlich dichte Mantarochen-Begegnung zwischen Dezember und April. Mantarochen kreisen über den Reinigungsstationen auf sechs bis zwölf Metern; die Geduld, ruhig zu warten und beobachten, wird belohnt. Kein Tauchen ohne ortskundigen Guide.
8. Mersa Arus, Küstenriff
Das Schutzriff von Mersa Arus gehört zu den wenigen Gebieten im Sudan, die theoretisch von der Küste aus zugänglich sind — in der Praxis erfordert der schlechte Landweg Bootstransfer. Das Riff bietet Tiefen von vier bis zwanzig Metern mit gesunden Steinkorallen und einer vielfältigen Riff-Fischgemeinschaft. Nicht so spektakulär wie die Offshore-Riffe, aber für Taucher, die eine Liveaboard-Nacht in der Bucht verbringen, ein entspannter Abendtauchgang.
9. Mesharifa, Dahlak-Bereich
Die Mesharifa-Riffe nahe der eritreisch-sudanesischen Grenze sind kaum besucht und zeigen den Zustand eines Rotes-Meer-Riffes ohne jede Nutzung. Korallen-Deck-Acroporas in eindrucksvoller Dimension, große Napfalgenfelder und gelegentliche Dugong-Sichtungen. Zugang nur per Liveaboard mit spezieller Genehmigung. Das Gebiet ist politisch sensibel; nur mit erfahrenen Outfittern besuchen.
10. Abington, Nordsudan Offshore
Abington ist ein kleines, entferntes Atoll nördlich von Sanganeb und wird fast nie besucht. Für Expeditionstaucher auf Liveaboards ist es ein Pflichtprogramm: unberührte Wände, dichte Haipopulationen und Korallen, die in keinem anderen Teil des Roten Meeres in dieser Qualität erhalten sind. Weißspitzenriffhaie und Grauer Riffhai als Standgäste; Hammerhaie in der Saison. Nur für erfahrene Taucher geeignet; nächste Dekompressionskammer weit entfernt.
Praktische Hinweise
Die Tauchsaison im Sudan dauert von Oktober bis Mai. Dezember bis März bietet die besten Bedingungen für Hammerhaie; April und Mai sind ruhigere Monate mit hoher Sicht. Zugang ausschließlich per Liveaboard ab Port Sudan; Flüge von Kairo, Addis Abeba oder Istanbul nach Port Sudan. Visa und Tauchgenehmigungen werden von seriösen Liveaboard-Outfittern arrangiert. DAN-Versicherung und Reiseversicherung mit Evakuierungsschutz sind absolute Pflicht. Alle Tauchplätze im Sudan auf der Karte.