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Die 10 besten Tauchplätze in Portugal

Portugal ist ein Land mit zwei Tauchumgebungen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Das Festland bietet rauhe Atlantikküste mit Kelp, Tintenfischen, kleinen Haien und mäßiger Sicht — ehrliches, unverklärtes Meerestauchen in kühlem Wasser. Die Inselgruppen der Azoren und Madeira dagegen liegen mitten im Atlantik über ozeanischen Erhebungen, die Delphinschulen, Blaue Haie, Amberfische und gelegentlich Walhaie anlocken. Wassertemperaturen variieren erheblich: Die Festlandküste erreicht im Sommer 16 bis 20 °C, die Azoren halten ganzjährig 18 bis 24 °C. Die Sichtweite liegt auf dem Festland typisch zwischen sechs und fünfzehn Metern, auf den Azoren sind zwanzig bis vierzig Meter keine Ausnahme. Ein 5-mm-Neoprenanzug ist für das Festland das Minimum; auf den Azoren reicht im Sommer ein 3-mm-Neopren, in der Tiefe sollte man einen wärmeren Anzug dabei haben.

1. Azoren — Sao Miguel und die zentralen Inseln

Sao Miguel ist der bequemste Einstieg in das Azoren-Tauchen. Die Unterwasserlandschaft westlich der Insel wird von Lavafels dominiert: Tunnel, Bögen und Spalten auf sechs bis zwanzig Metern, die von Zackenbarsch, Moränen und Scharen silbriger Bastardmakrelen bewohnt werden. Vor der Nordküste liegt ein Seebergkamm, auf dem atlantische Blauhaie regelmäßig gesichtet werden. Sichtweiten von fünfzehn bis dreißig Metern sind von Mai bis Oktober die Regel. Open Water genügt für die flacheren Stellen; für Tieftauchgänge auf die Seeberg-Plateaus ist ein Advanced-Zertifikat empfohlen.

2. Princess Alice Bank, Azoren

Die Princess Alice Bank — auf Portugiesisch Banco Princesa Alice — ist ein Seeberg etwa 80 Kilometer südwestlich der Insel Faial, der auf 55 Meter bis zur Oberfläche aufsteigt. Zwischen Juli und Oktober versammeln sich hier Walhaie, Mantarochen und gelegentlich Mobildelfine. Tauchgänge erfolgen von Liveaboards oder Tagesbooten ab Horta. Die Strömungen können kräftig sein, und der Zugang liegt tief genug, dass Taucher mit einem Advanced-Brevets und mehrjähriger Erfahrung im Vorteil sind. Bei ruhiger See und guter Sicht gehört Princess Alice zu den stärksten Pelajtauch-Erlebnissen im östlichen Atlantik.

3. Darwin's Arch / Banco D. João de Castro, Azoren

Das unterseeische Vulkan-Plateau von Banco D. João de Castro liegt zwischen den Inseln Terceira und Sao Miguel und taucht bei niedrigem Wasserstand bis auf drei Meter unter die Oberfläche. Aktive hydrothermale Entlüftungsöffnungen haben ein flaches Patch-Riff aus Kalkalgen und Korallen erzeugt, das für den Atlantik ungewöhnlich ist. Schwärme von Franzosenfisch, Zackenbarsch und Stelzenfisch sind zu sehen. Tauchtiefe meist zwölf bis zwanzig Meter; Sicht zehn bis fünfundzwanzig Meter. Nur per Charterboot erreichbar. Advanced Open Water empfohlen wegen gelegentlich starker Dünung.

4. Madeira — Ponta de Sao Lourenco

Der östliche Ausläufer Madeiras fällt in steil abfallende Lavawände, die von der Oberfläche bis auf dreißig Meter und tiefer reichen. Nacktschnecken, Seeigel, Aale und kleine Schulen des endemischen Madeira-Fächerfisches sind auf den Riffen zu finden. Im Frühsommer zeigen sich hier regelmäßig Mantarochen. Wassertemperaturen liegen das Jahr über zwischen 19 und 23 °C. Die Strömungen an der Spitze der Halbinsel können abrupt einsetzen; Bootsabholung im Treiben ist Standard. Geeignet für Advanced-Taucher. Beste Monate: März bis Oktober.

5. Madeira — Ponta do Garajau, Meeresschutzgebiet

Garajau ist seit 1986 Meeresschutzgebiet und damit eines der ältesten in Portugal. Durch den Schutz hat sich ein erstaunlicher Fischreichtum aufgebaut: Barracudas, Zackenbarsch bis zu 80 Zentimeter Länge, Seebrassen, Muränen und Tintenfische sind nahezu garantiert. Die Tiefe reicht von vier bis dreißig Metern, der Einstieg ist vom Strand möglich. Sichtweiten von zehn bis fünfundzwanzig Metern. Ein Open-Water-Zertifikat genügt; das Schutzgebiet ist ideal für Wiedereinsteiger und Fotografen. Ganzjährig tauchbar; beste Bedingungen April bis Oktober.

6. Berlengas-Archipel, Festlandküste

Die Berlengas liegen 14 Kilometer vor Peniche und sind Naturschutzgebiet. Unter Wasser öffnet sich eine zerklüftete Granit-Unterwasserlandschaft mit Höhlen, Tunneln und Kanälen. Der bekannteste Durchgang, der Funil (Trichter), ist eine enge, rund fünfzig Meter lange Spalte auf sechs bis neun Metern. Oktopusse, Tintenfische, Drachenköpfe und atlantische Hummer sind häufig. Wassertemperaturen im Sommer 16 bis 18 °C; ein 5-mm-Neoprenanzug mit Haube ist nötig. Sicht variiert zwischen sechs und zwölf Metern je nach Seegang. Tauchboote fahren von Peniche. Open Water für die flachen Stellen, Advanced für den Tunnel. Beste Zeit: Juni bis September.

7. Sesimbra, Arrábida-Naturpark

Die Kalksteinklippen des Arrábida betten sich unter Wasser als helle, strukturierte Felswände fort. Sesimbra als Tauchbasis liegt außerhalb der stärksten Touristenströmung und bietet guten Zugang per Boot zu Stellen mit Wassertemperaturen von 17 bis 20 °C im Sommer. Zackenbarsch, atlantischer Stachelrochen, Tintenfische und atlantische Trumpetfische sind typisch. Die Stelle Cabo Espichel westlich des Parks bringt gelegentlich Blaue Haie. Sichtweite meist acht bis vierzehn Meter. Geeignet ab Open Water; für Haibegegnungen in offenem Wasser ist ein Advanced-Brevets sinnvoll. Hauptsaison: Mai bis Oktober.

8. Azoren — Faial und der Unterwasserberg Hirondelle

Faial hat durch den Ausbruch des Vulkans Capelinhos 1957 eine einzigartige Unterwasserlandschaft gewonnen: Lavafelder, Aschebänke und schwarzer Sandboden auf vier bis zwanzig Metern. Der nahe Seamount Hirondelle ist ein Liveaboard-Ziel, das in großen Tiefen Riesenmante und pelagische Haie bietet. Für Basetaucher bietet Faial selbst gute Riffstellen mit Sichtweiten von zwanzig bis dreißig Metern. Wassertemperaturen 18 bis 23 °C. Ein Open-Water-Brevets reicht für Küstentauchgänge; für Hirondelle sollte man erfahren sein. Beste Zeit: Juli bis Oktober.

9. Sines und Costa Vicentina, Alentejo

Die Costa Vicentina südlich von Sines ist eine der wildesten Atlantikküsten Europas, und das gilt auch unter Wasser. Tauchgänge ab Sines oder Portimão erschließen versteckte Felsenriffe mit dichten Seegraswiesen, atlantischen Hornkorallen auf zwölf bis achtzehn Metern und einem auffälligen Bestand an Gewöhnlichen Oktopussen. Die Bedingungen sind wetterabhängig; an ruhigen Sommertagen öffnet sich ein Fenster mit Sichten von zehn bis zwanzig Metern. Wassertemperatur 15 bis 18 °C. Trockentauch-Erfahrung ist ein Vorteil. Hauptsaison: Juli bis September.

10. Azoren — Pico und der Faial-Pico-Kanal

Der flache Kanal zwischen Pico und Faial ist eine der besten Stellen der Azoren für Delphintauchgänge und Schnorcheln mit frei schwimmenden Gemeinen Delfinen und Gestreiften Delfinen. Für Taucher bietet der Kanal in vier bis zwölf Metern Tiefe schwarze Lavaböden mit üppigem Bewuchs von Rotalgen und Seegras. Am Fuß der Pilar-Klippe auf Pico fallen Lavawände auf dreißig Meter ab. Sichtweiten im Kanal zehn bis zwanzig Meter; Wassertemperatur 19 bis 23 °C. Geeignet für Open Water. Beste Monate: Mai bis Oktober.

Praktische Hinweise

Die besten Tauchmonate für das Festland sind Juni bis Oktober, wenn Atlantikschwellungen nachlassen und die Sicht zunimmt. Für die Azoren gilt der Zeitraum Mai bis November als Hauptsaison, wobei Walhai-Begegnungen hauptsächlich von Juli bis September auf den Seebergen stattfinden. Direktflüge von Lissabon nach Ponta Delgada (Sao Miguel), Horta (Faial) und Funchal (Madeira) ermöglichen bequeme Erreichbarkeit. Tauchausrüstung ist auf allen Inseln leihbar; renommierte Tauchbasen auf den Azoren finden sich in Horta und in Ponta Delgada. Wer vor Reiseantritt die Lage und Erreichbarkeit der Tauchplätze recherchieren möchte, findet alle genannten Stellen auf der interaktiven Karte.