Die 10 besten Tauchplätze in Kambodscha
Kambodscha ist im Südostasien-Tauchen das Stiefkind gegenüber Thailand und Indonesien — und das ist ein unverdienter Ruf. Der Golf von Thailand vor der kambodschanischen Küste hat weniger Infrastruktur und weniger Besucher als Koh Tao oder Gili, dafür aber Riffe, die noch kaum kommerziell befischt wurden, und eine Ruhe, die in populäreren Destinationen selten ist. Das Wasser ist warm — 27–30 °C ganzjährig — und die Riffe zwischen Koh Rong und Koh Tang beherbergen Fischarten, die anderswo im Golf verschwunden sind. Sichtweite variiert stark: 5–20 Meter je nach Monsunphase.
1. Koh Rong, Westküste
Die zweitgrößte Insel Kambodschas hat mehrere taugliche Riffe vor ihrer Westküste in 8 bis 22 Meter Tiefe. Blaupunktrochen liegen auf Sandflächen; Bambushaie schlafen tagsüber unter Korallen. Koh Rong ist bekannt für Biolumineszenz: In ruhigen, warmen Nächten erhellen Planktonorganismen das Wasser wie einen Sternenhimmel — ein Erlebnis, das Nachttauchgänge hier zur Pflicht macht. OW-Taucher beherrschen die meisten Spots; Strömung gering bis moderat.
2. Koh Tang, Ferninseln
Koh Tang ist historisch bekannt als Schauplatz des Mayaguez-Vorfalls 1975 — der letzte bewaffnete Konflikt amerikanischer Streitkräfte in Südostasien. Für Taucher ist die Insel aber ein Naturhighlight: Isoliert 30 Kilometer vor der Küste liegt Koh Tang in einem Bereich, der wegen seiner Abgelegenheit selten besucht wird. Riffhänge fallen auf 25–35 Meter; Whaleshark-Sichtungen wurden im Frühsommer dokumentiert. Nur per mehrstündiger Bootsfahrt erreichbar; Liveaboard empfohlen.
3. Koh Prins (Prince Island), Küste von Sihanoukville
Koh Prins ist ein ruhiger Spot in 10–20 Meter Tiefe mit einem gesunden Mischhabitat aus Korallen und Seegras. Schildkröten sind fast garantiert; Fackelseeigel und Nudibranchen beleben den Grund. Da das Riff in einem Bootsschutzgebiet liegt, ist der Fischbestand hoch. Nicht so spektakulär wie Koh Tang, aber logistisch unkomplizierter und ideal für Einsteiger. OW; Boote aus Sihanoukville fahren täglich.
4. Condor Reef, Offshore
Condor Reef ist eines der tieferen und entlegeneren Riffe Kambodschas und für erfahrene Taucher reserviert. Der Unterwasserberg steigt von 35 Meter auf etwa 12 Meter unter der Oberfläche; an der Spitze ballt sich das Leben zusammen: Thunfische, Barrakuda-Schulen und Haie. Strömungen können erheblich sein; ein Reef-Hook ist sinnvoll. Nur per Liveaboard oder Charterboot in ruhigem Wetter erreichbar. Advanced-Zertifikat und Strömungserfahrung Voraussetzung.
5. Koh Rong Samloem, Saracen Bay
Die kleinere Schwesterinsel Koh Rongs hat ruhigere Wasserbedingungen und ein intaktes Flachwasserriff in 5–15 Meter. Seepferdchen und Tintenfische sind die Attraktionen; Papageienfische und Napoleonfische kommen regelmäßig vorbei. Die Insel hat eine wachsende Tauchinfrastruktur; mehrere Tauchzentren bieten Kurse und geführte Touren an. Shore-Diving teilweise möglich; Bootsausflüge für Tieferes.
6. Bamboo Island, südlich von Koh Rong
Ein kleines, unbewohntes Eiland mit rundum zugänglichem Flachwasserriff in 4–12 Meter. Bambushaie schlafen in Höhlen; Oktopusse jagen in den Posidoniamatten. Die Korallen sind in gutem Zustand. Kein Tauchzentrum; Anfahrt per Privatboot mit eigenem oder gemieteten Equipment. Ideal für einen ruhigen Halbtag abseits der Massen. Strömung gering; OW.
7. Police Beach Reef, Sihanoukville
Das Riff vor Police Beach in Sihanoukville selbst ist flach (3–10 Meter), hat aber den Vorteil der absoluten Stadtnähe. Nachttauchgänge sind hier besonders lohnend: Korallen und Weichkorallen öffnen sich; Langusten verlassen ihre Höhlen. Tags sind Feuerfische, Kugelfische und Tintenfische zu sehen. Ideal für Wiedereinsteiger und für alle, die nach einem Wrassetauchgang in tieferes Wasser noch einen Nachttauchgang anhängen wollen.
8. Koh Sdach (King Island), Krong Kaoh Kong
Im westlichsten Teil der kambodschanischen Küste liegt Koh Sdach, umgeben von einem wenig bekannten Riff in 8–18 Meter Tiefe. Malerische Weichkorallen, Mantisshrimps und Fackelseeigel. Die Abgelegenheit schützt das Riff; kommerzieller Fischereidruck ist gering. Kein reguläres Tauchprogramm vor Ort — aber für Taucher mit eigenem Boot und Equipment ist die Abgeschiedenheit ein Plus.
9. Koh Thmei, Ream National Park
Koh Thmei liegt innerhalb des Ream-Nationalparks, was strikte Tauchregeln mit sich bringt, aber auch einen Riffzustand, der in Kambodscha seinesgleichen sucht. Seegraswiesen und Korallenpatches in 6–16 Meter; Dugong wurden gelegentlich gesichtet — ein Tier, das im übrigen Golf von Thailand praktisch verschwunden ist. Tauchgenehmigung des Nationalparks erforderlich; organisierten Touren aus Sihanoukville. OW.
10. Koh Rong Offshore-Pinnacles
Mehrere nicht kartierte Unterwasserberge östlich von Koh Rong sind lokalen Tauchguides bekannt; sie werden selten besucht und haben noch keine offiziellen Namen. Die Spitzen beginnen auf 15–20 Meter; darunter fallen sie steil ab. Gorgonien, Weichkorallen und gelegentlich Hammerhaie. Nur erfahrene Taucher mit lokalem Guide sollten diese Spots ansteuern. Die Koordinaten teilen lokale Operatoren nur mit vertrauenswürdigen Tauchern.
Praktische Hinweise
Die beste Tauchzeit in Kambodscha ist Oktober bis Mai; von Juni bis September fegt der Südwestmonsun über den Golf und macht Bootsfahrten zu den Inseln rau bis unmöglich. Tauchzentren sind in Sihanoukville und auf Koh Rong konzentriert; die Qualität variiert stark. Ein Tauchschein auf PADI oder SSI-Basis ist Standard; lokale Ausbilder lehren auf gutem Niveau. Nitrox ist vereinzelt verfügbar. Auf der Karte lassen sich alle eingetragenen kambodschanischen Tauchstellen von Sihanoukville bis zur vietnamesischen Seegrenze einsehen.