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Tauchtauglichkeit und Gesundheit

Tauchen ist körperlich anspruchsvoller als es aussieht

Ein Taucher in voller Ausrüstung an der Oberfläche trägt zwischen 15 und 25 Kilogramm — BCD, Zylinder, Blei, Trockenanzug. Der Gang zum Wasser und das Einsteigen ins Boot sind schon ohne Erschöpfung anstrengend. Unter Wasser kommt Strömungsarbeit hinzu; der Kampf gegen starke Strömung auf flachem Wasser ist konditionell mit einem mittelharten Radsport-Intervall vergleichbar. Und bei jedem Tauchgang ist das Herz-Kreislauf-System gefordert, mit dem erhöhten Umgebungsdruck, der erhöhten Atemanstrengung und der physiologischen Reaktion auf die Kälte umzugehen.

Das bedeutet nicht, dass Tauchen ein Sport nur für Hochleistungssportler ist. Es bedeutet, dass ein Minimum an kardiovaskulärer Gesundheit Voraussetzung für sicheres Tauchen ist — und dass bestimmte Erkrankungen vor dem ersten Tauchgang einer ärztlichen Bewertung bedürfen.

Das Medizinische Formular und wann ein Arztbesuch notwendig ist

PADI, SSI und alle anderen Ausbildungsorganisationen verlangen vor dem Open-Water-Kurs das Ausfüllen eines medizinischen Formulars. Dieses Formular fragt nach einer Reihe von Erkrankungen und Symptomen, und wenn eine der Fragen mit 'Ja' beantwortet wird, ist ein Arztbesuch — spezifisch bei einem tauchmedizinisch ausgebildeten Arzt — erforderlich, bevor der Kurs begonnen werden kann.

Die relevantesten Bereiche sind: Herzerkrankungen und -rhythmusstörungen, Asthma und andere Lungenerkrankungen, Epilepsie, Diabetes, Schwangerschaft, Mittelohrentzündungen oder Trommelfellprobleme, psychiatrische Erkrankungen und die Einnahme bestimmter Medikamente.

Die Deutsche Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM) hat klare Richtlinien erarbeitet, welche Erkrankungen als absolute Kontraindikationen gelten und welche unter bestimmten Bedingungen eine Tauchtauglichkeit ermöglichen. Ein spontaner Pneumothorax in der Vergangenheit — ein kollabierter Lungenflügel — gilt in der Regel als absolute Kontraindikation, weil das Risiko eines Lungentextensionsrisikos unter Druck zu hoch ist.

Herzkreislaufgesundheit

Das kardiovaskuläre System ist die wichtigste Stellschraube für Tauchtauglichkeit. Tauchen erhöht den Venendruck durch den Wasserdruck auf den Körper, was das Herz mehr belastet. Das ist für gesunde Menschen kein Problem, für Taucher mit eingeschränkter Herzfunktion aber potenziell gefährlich.

Ein offenes Foramen ovale — ein kleines Loch in der Herzscheidewand, das bei einem Anteil der Bevölkerung von bis zu 25 Prozent vorliegt und bei den meisten völlig symptomlos ist — wird von manchen Tauchmedizinern als erhöhtes Risiko für Dekompressionserkrankungen eingestuft. Die Datenlage ist nicht eindeutig, aber Taucher mit bekanntem PFO und mehrfachen Dekompressionserkrankungen in der Vorgeschichte sollten sich tauchmedizinisch beraten lassen.

Wer ab 45 Jahren mit dem Tauchen beginnt, sollte einen ärztlichen Check-up einschließlich Belastungs-EKG absolvieren, bevor er sich intensive Tauchreisen in entlegene Regionen ohne medizinische Versorgung vornimmt.

Lungengesundheit

Die Lunge ist das kritischste Organ beim Tauchen, weil das Barotrauma-Risiko — physische Verletzung durch Druckänderung — bei Atemstopps beim Aufstieg existiert. Wer mit komprimierter Luft atmet und aufsteigt ohne auszuatmen, riskiert einen Lungentextension (Pneumothorax). Das ist der Grund, warum das erste und fundamentalste Tauchregel lautet: nie die Luft anhalten.

Kontrolliertes Asthma gilt nach aktuellen Richtlinien bei vielen Ausbildungsorganisationen nicht mehr als absolute Kontraindikation — wenn es gut medikamentös eingestellt ist, kein Belastungsasthma vorliegt und ein Tauchmediziner die Tauglichkeit bescheinigt. Unbehandeltes oder schweres Asthma bleibt eine Kontraindikation.

Ohr und Nase: Das häufigste Alltagsproblem

Die häufigste tauchbedingte Verletzung ist das Trommelfellbarotrauma durch schlechten Druckausgleich. Erkältungen, Sinusitis und allergische Rhinitis können den Druckausgleich so erschweren, dass Tauchen an betroffenen Tagen schlecht möglich ist oder — bei erzwungenem Tauchen — zu Verletzungen führt. Die wichtigste Regel: bei Erkältung nicht tauchen.

Wer chronisch schlechte Druckausgleich-Probleme hat, sollte eine HNO-Untersuchung machen lassen. Anatomische Varianten wie eine schief stehende Nasenscheidewand können den Druckausgleich dauerhaft erschweren und sind operativ korrigierbar.

Fitness für Taucher

Tauchtauglichkeit ist keine Sportlergesundheit — aber ein Minimum an Kondition hilft. Wer mit mäßigem Gepäck 200 Meter zum Wasser gehen und im Wasser zehn Minuten gegen leichte Strömung ankämpfen kann, ohne außer Atem zu geraten, erfüllt das konditionelle Minimum.

Regelmäßiges Schwimmen ist die naheliegendste Ergänzung — es trainiert Ausdauer und Flossenkraft gleichzeitig. Krafttraining für Rücken und Core reduziert die Belastung durch schwere Ausrüstung. Apnoetaucher-Übungen zur Erhöhung der Atemeffizienz sind optional, aber nützlich.

Auf der Tauchplatzkarte kann man Tauchplätze herausfiltern, die konditionell weniger anspruchsvoll sind — ruhige Buchten, flache Einsteigstellen, Tauchplätze ohne Strömung — ideal für Taucher, die nach einer Pause wieder einsteigen oder zum ersten Mal tauchen.

Medikamente und Tauchen

Viele gängige Medikamente beeinflussen die Taugtauglichkeit. Antihistaminika der ersten Generation können sedierend wirken; Antikoagulanzien erhöhen das Risiko bei Barotrauma; bestimmte Herzmittel interagieren mit der physiologischen Reaktion auf Tiefe. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte vor einer Tauchreise Rücksprache mit einem tauchmedizinisch erfahrenen Arzt halten — nicht mit dem Hausarzt, der möglicherweise keine Fachkenntnis über Tauchtauglichkeit hat.

Bewegungskrankheit ist auf Tauchbooten ein häufiges Alltagsproblem. Entsprechende Medikamente wie Dimenhydrinat sind beim Tauchen grundsätzlich nicht empfohlen, weil sie zentral dämpfen. Transdermales Scopolamin wird von manchen Tauchmedizinern als weniger problematisch eingestuft; die individuelle Verträglichkeit sollte vorher an Land getestet werden.