← Zurück zum Blog

Die 10 besten Tauchplätze in Polen

Polen ist kein klassisches Tauchreiseziel, doch wer die Geduld aufbringt, es zu erkunden, wird mit einer Vielfalt belohnt, die kaum ein anderes Binnenland Mitteleuropas bieten kann. Die pommerschen Seen mit ihren gesunkenen Dörfern und deutschen Militärwracks aus dem Zweiten Weltkrieg, der tiefste Karstsee Polens, und die ruhigen Boddengewässer der Ostseeküste zeichnen ein vielschichtiges Bild. Sichtweiten von zehn bis zwanzig Metern sind in klaren Bergseen und oligotrophen Tiefseeseen möglich; in der Ostsee bewegt sie sich je nach Jahreszeit zwischen vier und zwölf Metern. Wassertemperaturen liegen im Sommer zwischen 18 und 24 °C an der Oberfläche, in der Tiefe kühlen sie selbst im August auf 4 bis 6 °C ab. Ein 5-mm-Nass- oder Halbtrockentauchanzug ist die Mindestausstattung; für Jahrestauchgänge empfiehlt sich ein Trockentauchanzug. Zertifizierungsniveaus ab Open Water sind für die meisten flachen Seenplätze ausreichend, für tiefere Wracktauchgänge in der Ostsee ist ein Advanced Open Water oder vergleichbares Zertifikat ratsam.

1. Hańcza-See, Suwalki-Seenplatte

Der Hańcza ist mit 108,5 Metern der tiefste See Polens und mit dem saubersten Wasser des Landes verbunden. Sichtweiten von bis zu 20 Metern sind im Frühjahr keine Seltenheit, wenn Thermoklineschichten das klare Tiefenwasser noch nicht durchmischt haben. Bis auf 30 Meter zeigt sich eine üppige Unterwasservegetation — Armleuchteralgen, Seegras, Hornkraut — und ein erstaunlich dichter Barsch- und Hechtbestand. Die steilsten Felswände fallen auf rund 15 Meter ab. Ein Open-Water-Zertifikat genügt für die Oberfläche; für Tieftauchgänge unterhalb von 18 Metern empfiehlt sich eine Advanced-Qualifikation. Beste Zeit: Mai bis Oktober.

2. Jezioro Moryn, Westpommern

Das Moryn-Becken bei Mieszkowice besteht aus zwei getrennten Tauchstellen — Moryn und Przyjezierze — und gehört zu den bekanntesten Binnengewässern Nordwestpolens. Über beide Zugänge erschließt sich ein ehemaliges Fischerdorf, das beim Bau eines Dammes in den 1930er-Jahren geflutet wurde. Torbögen, Pflastersteinstraßen und gemauerte Keller liegen auf sechs bis zwölf Metern Tiefe. Sichtweiten von acht bis fünfzehn Metern ermöglichen bequemes Orientierungstauchen. Geeignet ab Open Water; ein Fotokurs lohnt sich. Beste Monate: Juni bis September.

3. Jezioro Jelenin, Westpommern

Jelenin liegt südwestlich von Stargard und bietet gleich zwei ausgeschilderte Eintrittspunkte: T-Punkt im Norden und Badeanstalt im Süden. Am T-Punkt findet sich ein weiteres überflutetes Dorf; Reste von Gebäudefundamenten und ein alter Brunnen sind bis auf neun Meter Tiefe zu erkunden. Am Badeanstalt-Einstieg liegt eine ausgebaggerte Vertiefung mit sandigem Grund bis auf gut vierzehn Meter. Die Sicht schwankt je nach Algenaufkommen zwischen sechs und zwölf Metern. Beide Plätze sind für Open-Water-Taucher geeignet. Hauptsaison: Mai bis September.

4. Jezioro Drawsko, Ostseite

Das Drawsko-Becken ist der zweittiefste See Pommerns mit maximal 83 Metern und beherbergt mehrere Tauchziele entlang seiner Ufer. Am bekanntesten ist die Stelle Stare Drawsko-Kleofas, wo die Fundamente eines untergegangenen Fischerdorfes auf acht bis zwanzig Metern gut erhalten sind. Ein weiterer Zugangspunkt, Zodiak, führt über einen Betonponton zu einem abfallenden Felshang. Die Wassertemperatur liegt im Sommer in der Schicht bis zehn Meter bei rund 22 °C, darunter fällt sie schnell auf unter 10 °C. Zertifizierung: Open Water; für tiefere Erkundung Advanced. Beste Zeit: Juni bis August.

5. Jezioro Insko, Westpommern

Der Insko-See bietet drei ausgewiesene Zugangspunkte: Damm nord, Damm süd und Westspitze. Die Damm-Stellen führen zu den Resten eines Bahndamms aus den 1940er-Jahren, der beim Wasseranstieg des Sees überflutete. Betonbögen, Gleisschwellen und Eisenmaterial liegen auf drei bis acht Metern, bequem für Anfänger. An der Westspitze fällt der Seeboden steiler ab und eröffnet einen Blick auf dichte Armleuchteralgenfelder in bis zu zwölf Metern Tiefe. Die Sichtweite ist mit durchschnittlich sieben bis zehn Metern solide. Open Water genügt. Beste Monate: Mai bis September.

6. Jezioro Czarnoglowy Duze, Unterwasserwald

Der See Czarnoglowy Duze ist vor allem für seinen versunkenen Kiefernwald bekannt. Baumstümpfe und aufrechte Stämme stehen auf einem Sandboden in vier bis acht Metern Tiefe und erzeugen eine unwirkliche Atmosphäre, die den Ort bei Unterwasserfotografen beliebt macht. Das Wasser ist leicht tanningetönt, was die Sicht auf vier bis sieben Meter begrenzt, dafür aber ein warmes Bernsteinklicht erzeugt. Wassertemperaturen im Sommer an der Oberfläche bis 24 °C, am Boden deutlich kühler. Geeignet für Open-Water-Taucher. Hauptsaison: Juli und August.

7. Jezioro Bielin, Pommern

Bielin ist ein kleines Klarwassersee nördlich von Drawsko mit überraschend gutem Sichtweiten von bis zu zwölf Metern im Frühsommer. Der Boden fällt gleichmäßig bis auf etwa 22 Meter ab und ist überwiegend sandig mit Steinen besetzt. Kleine Gruppen aus lokalen Tauchclubs nutzen Bielin häufig für Übungstauchhänge; die Infrastruktur ist bescheiden — ein Betonrand als Einstieg, keine Vermietung vor Ort. Ein PADI Open Water oder gleichwertiges Zertifikat wird empfohlen. Beste Zeit: Mai bis August.

8. Jezioro Insko – Westspitze, vertieft

Die Westspitze des Insko-Sees verdient eine eigene Erwähnung als fortgeschrittener Tauchplatz. Ab dem Einstieg fällt der Hang auf gut 26 Meter ab, wo ein Teppich aus Muschelschalen und Sand den Boden bildet. Im Gegensatz zu den flacheren Damm-Stellen sind hier deutlich weniger Taucher anzutreffen, die Strömung ist vernachlässigbar. Wechselnde Thermoklineschichten erfordern einen wärmenden Unterzug unter dem Neopren. Empfohlene Zertifizierung: Advanced Open Water. Beste Monate: Juni bis September.

9. Ostsee-Wracks vor der Pommerschen Bucht

Die polnische Ostseeküste zwischen Swinemünde und Kolberg liegt über einem der dichtesten Frachtschiff-Wrackfelder der südlichen Ostsee. Frachter, Fischdampfer und Militärschiffe aus beiden Weltkriegen ruhen auf Tiefen zwischen 15 und 45 Metern. Sichtweiten von vier bis acht Metern, Wassertemperaturen im Sommer an der Oberfläche bis 22 °C, am Wrackniveau oft unter 10 °C. Strömungen können je nach Windlage kräftig sein. Zugang hauptsächlich per Tauchboot von Miedzyzdroje oder Kolobrzeg. Erforderliches Niveau: Advanced Open Water mit Wracktauch-Spezialität empfohlen. Hauptsaison: Juni bis September.

10. DIVE DEVIL Centrum Nurkowe, Szczecin

Das Tauchzentrum DIVE DEVIL betreibt einen eigenen Übungspool und organisiert regelmäßige Bootsausfahrten zu umliegenden Seen sowie Ostsee-Wracktauchgängen in der Stettiner Bucht. Als Ausgangspunkt für Tagestrips zu Moryn, Insko und Jelenin ist das Zentrum ideal gelegen. Es bietet PADI-Kurse von Discover Scuba bis Divemaster sowie Ausrüstungsverleih. Die Bootsstellen erlauben Zugänge zu Wracks auf 18 bis 32 Metern. Für geführte Wracktauchgänge ist ein Advanced-Zertifikat Voraussetzung.

Praktische Hinweise

Die Hauptsaison für Binnengewässer in Polen liegt zwischen Mai und September, wenn Wassertemperaturen an der Oberfläche angenehme 20 bis 24 °C erreichen. Für Ostsee-Wrackausfahrten bieten die Häfen Miedzyzdroje, Swinemünde und Kolobrzeg gut ausgestattete Tauchbasen. Nationale Zertifizierungen wie CMAS sind in Polen verbreitet; internationale PADI- und SSI-Brevets werden überall anerkannt. Das Tauchen in Seen der Nationalparkgebiete wie der Suwalki-Seenplatte kann lokale Genehmigungen erfordern — vorab beim polnischen Nationalpark informieren. Wer die Region mit öffentlichen Verkehrsmitteln erkundet, findet in Szczecin und Posen gute Ausgangsbasen mit Bahnanschluss. Alle hier beschriebenen Tauchplätze lassen sich über die interaktive Karte einsehen und gezielt ansteuern.