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Die 10 besten Tauchplätze in Norwegen

Norwegen ist die Überraschungsdestination des europäischen Kaltwassertauchens. Fjorde, die bis zu 1300 Meter tief sind, Korallenriffe aus Lophelia pertusa — die einzige kälteliebende Koralle, die Riffe bildet — ein Wrackfeld aus zwei Weltkriegen und die schiere Wildheit der arktischen Küste machen Norwegen zu einem Tauchziel, das echte Belohnungen bereithält für jene, die Trockentauchanzug und Kälte nicht scheuen. Wassertemperaturen liegen im Sommer an der Oberfläche zwischen 10 und 18 Grad, im Winter nahe null; Trockentauchanzug ist das Standard-Equipment. Die Sichtweite ist in klaren Fjorden oft außergewöhnlich gut — 20 bis 30 Meter in der Tiefe sind keine Seltenheit.

1. Gulen, Sogn og Fjordane

Gulen im Fylke Vestland ist das Zentrum des norwegischen Tauchtourismus und Heimat eines der dichtesten Wrack-Konzentrationen Europas. Mehr als 30 Wracks verschiedener Epochen liegen auf engstem Raum — darunter Fischereischiffe, Schlepper und Kriegsschiffe aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Flaggschiff der Region ist die Lübeck, ein Frachter auf 32 Metern, der aufrecht liegt und in weiten Teilen penetrierbar ist. Die Gulen Dive Resort-Basis ist auf Tauchtouristen spezialisiert; Hallen zum Ausrüsten, geführte Bootstauchgänge und warme Unterkunft machen die Logistik komfortabel. Empfohlen ab Advanced Open Water mit Trockentauchanzug-Erfahrung. Beste Zeit: Mai bis September.

2. Saltstraumen, Nordland

Saltstraumen bei Bodø beherbergt den stärksten Tidal-Strom der Welt: Viermal täglich werden gewaltige Wassermengen durch eine Meerenge von 150 Metern Breite gepresst, die eine 5-Kilometer-lange Fjordverbindung entwässert. Diese extreme Strömung ist ein Nährstoffpumpe — das Wasser ist reich an Plankton, das eine enorme Nahrungskette aus Dorsch, Heilbutt, Köhler und Raubvögeln speist. Tauchen ist nur während der kurzen Ruhezeiten zwischen Strom und Gegenstrom möglich; das Zeitfenster ist eng und muss mit einem lokalen Führer präzise geplant werden. Auf dem Grund liegen haushohe Felsstrukturen, Anemonen-bewachsene Wände und gelegentlich Riesenkraken (Enteroctopus dofleini). Nur mit erfahrenem lokalem Guide; empfohlen ab Advanced Open Water.

3. Gudrun, Gulen

Die Gudrun, ein norwegischer Dampfer aus dem frühen 20. Jahrhundert, liegt auf 38 Metern Tiefe bei Gulen und ist eines der am besten erhaltenen Holzwracks Nordeuropas. Die Struktur des Rumpfs ist noch erkennbar; Ladeventilatoren, Anker und Maschinenreste ragen aus dem moosbedeckten Holz. Weichkorallen in Orange und Weiß wachsen auf den exponierten Teilen; Steinbutt und Seewolf halten sich in den Schattenbereichen auf. Das Wrack erfordert technisches Niveau für vollständige Penetration, ist aber auch von außen für Advanced-Taucher lohnend. Beste Zeit: Juni bis August, wenn die Sichtweite ihr Maximum erreicht.

4. Hunden, Gulen

Hunden — auf Deutsch der Hund — ist ein kleines Fischereifahrzeug, das auf 22 Metern liegt und damit eines der zugänglicheren Gulen-Wracks darstellt. Die geringe Tiefe macht es ideal für längere Erkundungen im Bereich der Nullzeit. Weichkorallen, Seeanemonen und dichter Bewuchs aus Meeressalat und braunen Algen überziehen das Metall; Seesterne in Orange und Violett pflastern den umgebenden Sandgrund. Für Open Water Taucher geeignet, sofern Trockentauchanzug- oder dicker Neopren-Erfahrung vorhanden. Ein guter Einstieg in das Wrack-Tauchen Norwegen.

5. Møkkalassa, Stavanger

Vor Stavanger in Rogaland bietet das Gebiet rund um Møkkalassa eines der artenreichsten Kaltwasserriffe der norwegischen Küste. Auf den Felsplatten und in den Spalten zwischen 15 und 35 Metern wachsen Lophelia-Korallenriffe, die als Ökosystem für Tiefseearten fungieren, die in dieser Tiefe sonst nicht anzutreffen sind. Seeigel, Seesterne, Kammuscheln und Riesenhummern leben in den Korallenspalten; der Dorschwechsel im Herbst bringt zusätzliche Sichtungen. Die Stavanger Dykkersenter-Basis bietet Bootstauchgänge und Ausrüstung. Empfohlen ab Advanced Open Water wegen Tiefe und möglicher Strömungen.

6. ND31 (Oder), Oslofjord

Im Oslofjord liegt das ND31, im Zweiten Weltkrieg als Wrack bekannt unter dem Namen Oder, auf 42 Metern — ein deutsches Lazarettschiff aus dem Zweiten Weltkrieg. Das gut erhaltene Wrack liegt auf ebenem Kiel; der charakteristische rote Kreuz-Markierung auf dem Schornstein ist noch erkennbar. Wände aus Anemonen und Muscheln bedecken den Rumpf; Dorsch und Wittling schwimmen in Schwärmen um die Aufbauten. Der Oslofjord ist für Tagestour-Tauchen von Oslo aus zugänglich; die Oslofjorden dykkesenter as-Basis organisiert geführte Tauchgänge. Empfohlen ab Advanced Open Water; bei Strömung entsprechende Erfahrung erforderlich.

7. Nykorallene, Trondheimsfjord

Im Trondheimsfjord liegen bei Nykorallene eines der wissenschaftlich best dokumentierten Lophelia-Riffe Norwegens. Das Gebiet befindet sich unter Schutz; Tauchen ist nach Voranmeldung und mit Genehmigung möglich. Die kälteliebenden Korallen — weiß, blass orange — bilden mehrstöckige Strukturen, die an tropische Riffe erinnern, aber in völlig anderem Licht und Temperatur gedeihen. Zwergbarsche, Seenadeln und verschiedene Schwammarten ergänzen das Bild. Ein einzigartiges Erlebnis für biologisch interessierte Taucher; organisierte Tauchreisen mit Wissenschaftskontakt möglich. Ab Advanced Open Water, vorzugsweise mit Trockentauchanzug-Zertifizierung.

8. Trolla, Trondheimsfjord

Das Wrack Trolla ist ein norwegischer Küstenfrachtdampfer, der in den 1940er Jahren sank und nun auf 26 Metern im Trondheimsfjord liegt. Das Schiff ist gut erhalten und in mehreren Bereichen zugänglich; Ankerwinde, Luken und ein weitgehend intakter Rumpf bieten interessante Erkundungsmöglichkeiten. Auf der Oberfläche des Rumpfs haben sich Pfauenaugen-Flundern angesiedelt, die in der Tarnung auf dem bewachsenen Metall schwer zu erkennen sind. Bootstauchgänge von Trondheim. Geeignet ab Open Water, sofern Kälteerfahrung vorhanden.

9. Plaugen, Vestfold

Im Vestfold-Fjord liegt das Wrack Plaugen, ein ehemaliger Küstenfrachtdampfer, auf 28 bis 38 Metern. Das Schiff liegt auf der Seite, was Penetrations-Tauchgänge anspruchsvoller macht als bei aufrecht liegenden Wracks, aber auch einzigartige Perspektiven bietet. Auf den senkrecht stehenden Decks wachsen Seenelken und Miesmuscheln; Plattfische liegen im Schlickboden daneben. Die Sichtweite im Vestfoldfjord ist variabel — klare Wintertage mit Sichten von 15–20 Metern sind die besten Bedingungen. Empfohlen ab Advanced Open Water mit Wrack-Specialty.

10. Lektern, Hordaland

Lektern ist ein flacher Tauchgarten aus Felsrippen und Sand an der Hordaland-Küste, der sich für alle Niveaus eignet und insbesondere Makro-Fotografen anzieht. Zwischen 5 und 20 Metern leben Nacktschnecken (Nudibranchier) in einer für Nordeuropa bemerkenswerter Vielfalt, Seepferdchen tauchen im Sommer auf, und Seenadeln verstecken sich im Tang. Die geringe Tiefe erlaubt lange Tauchzeiten; die Strömung ist in der Regel moderat. Für alle Erfahrungsniveaus geeignet, auch für den ersten Trockentauchanzug-Tauchgang unter Aufsicht. Ganzjährig zugänglich, wobei der Sommer die wärmsten Oberflächentemperaturen bringt.

Praktische Hinweise

Die Hauptsaison für Tauchen in Norwegen liegt zwischen Mai und September, wenn die Sichtweite am besten ist und die Oberflächentemperaturen erträglicher sind. Trockentauchanzug-Erfahrung ist nahezu überall Pflicht; ohne diese Qualifikation sind die meisten Tauchbasen zurückhaltend bei Verleih und Führung. Für Wrack-Tauchgänge empfiehlt sich eine Wrack-Specialty-Ausbildung. Viele Plätze wie Gulen sind als organisierte Tauchlager konzipiert — Buchung inklusive Unterkunft und tägliche Bootstauchgänge mehrere Wochen im Voraus ist ratsam. Alle eingetragenen Tauchplätze Norwegens sind auf der interaktiven Karte zugänglich — zur Karte.