Die 10 besten Tauchplätze in Neuseeland
Neuseeland ist eine Tauchdestination, die von Europäern regelmäßig unterschätzt wird. Die Abgelegenheit wirkt abschreckend, aber wer den Weg auf sich nimmt, findet ein Unterwasserwelt von seltener Ursprünglichkeit: weitgehend unberührte Rifffische, die ohne Scheu an Tauchern heranschwimmen, Weltklasse-Wracktauchen, spektakuläre Kelp-Wälder und Fiordland — eines der weltweit ungewöhnlichsten Taucherlebnisse, wo Süßwasser auf salziges trifft und Schwarzkorallen in Tiefen wachsen, die sonst nur der Tiefsee vorbehalten sind. Wassertemperaturen variieren erheblich zwischen Nordinsel (15–21 Grad) und Südinsel (10–15 Grad); ein guter 7-mm-Neopren oder Trockentauchanzug ist die sinnvolle Wahl.
1. Poor Knights Islands, Northland
Die Poor Knights Islands gelten unter Kennern als bester Tauchplatz der Südhalbkugel. Die vulkanischen Inseln, knapp 24 Kilometer vor der Northland-Küste, sind seit 1981 Meeresschutzgebiet — Fischfang verboten, Tauchbeschränkungen minimal. Das Ergebnis ist eine explosive Unterwasserpopulation: Schnapper, Kingfish, Trevally und Riemenfische in Schulen, die sonst kaum zu sehen sind. Die Felswände fallen auf über 60 Meter ab; Unterwasserhöhlen und -bögen wie die berühmte Rikoriko Cave — eine der größten Meereshöhlen der Welt mit Tageslichtöffnung — liefern dramatische Kulissen. Sichtweite typisch 20–30 Meter. Beste Zeit: Oktober bis Mai. Ab Advanced Open Water empfohlen für Tieftauchgänge; Oberfläche ab Open Water.
2. Rainbow Warrior, Northland
Das Flaggschiff von Greenpeace wurde 1985 in der Matauri Bay von französischen Geheimdienst-Agenten versenkt — ein politischer Mord, der weltweit Schlagzeilen machte. Das Schiff liegt nun in 26 Metern Tiefe und ist absichtlich als künstliches Riff positioniert worden. In den vier Jahrzehnten seit dem Versenken hat sich eine reiche Lebensgemeinschaft entwickelt: Korallen, Muscheln und Seeanemonen überziehen den Rumpf; Schwärme von Butterfish und Schnapper leben in und um die Aufbauten. Der Mast ragt bis auf 12 Meter zur Oberfläche. Das Wrack ist vollständig und gut erhalten; Penetration in gut beleuchteten Abschnitten möglich. Empfohlen ab Advanced Open Water. Beste Zeit: November bis April.
3. Fiordland — Milford Sound und Doubtful Sound
Fiordland bietet eines der geologisch und ökologisch einzigartigsten Taucherlebnisse weltweit. Die Fjorde — besonders Milford Sound und Doubtful Sound — sind von vertikalen Felsabfällen geprägt, die unter Wasser unvermindert weitergehen. Das entscheidende Phänomen: Süßwasserabfluss von den Bergen schichtet sich als dunkle Decke über das Salzwasser, was Licht abschirmt und dafür sorgt, dass lichtscheue Tiefwasserlebewesen in ungewöhnlich geringer Tiefe gedeihen. Schwarzkorallen — normalerweise unter 30 Metern — wachsen hier bereits ab 8 Metern. Pelzrobben, Pinguine und Delfine sind oberflächlich präsent; unter Wasser leben Seelöwen, Tintenfish und seltene Korallenarten. Bootstauchen von Milford Sound; geführte Touren unbedingt buchen.
4. Goat Island Marine Reserve, Auckland
Das 1975 gegründete Goat Island Marine Reserve war das erste Meeresschutzgebiet Neuseelands und hat seitdem den Fischbestand der Umgebung dramatisch erholt. Hier ist direkt nachvollziehbar, was konsequenter Schutz bewirkt: Snapper und Blaue Mao-Mao nähern sich Tauchern auf Armeslänge, denn sie haben keine Angst vor Menschen gelernt. Das Riff fällt auf maximal 15 Meter ab und bietet gut beleuchtetes, farbreiches Tauchen. Kelp-Wälder wachsen in der Strömung, Seeigel beweiden den Felsboden. Für alle Niveaus geeignet; ein idealer Einstieg in das neuseeländische Kaltasserwasser. Sichtweite bei ruhiger See 10–20 Meter; starker Ostwind trübt das Wasser.
5. Sugar Loaf Marine Park, Taranaki
Der Sugar Loaf Marine Park an der Westküste der Nordinsel schützt eine Gruppe kleiner vulkanischer Inseln und das umliegende Riff. Neue-Seeland-Seelöwen und die auf der Roten Liste stehende Snares-Kormorane frequentieren die Oberfläche; unter Wasser leben Seepferdchen (Hippocampus abdominalis), Tintenfische und dichte Schulen von Butterfish. Die Strömungen können kräftig sein, was jedoch Plankton anspült und die Sichtweite gelegentlich reduziert. Landeinstieg von New Plymouth möglich; Bootsoperatoren bieten Tagestouren. Geeignet ab Open Water für ruhige Bedingungen; bei Strömung Advanced empfohlen.
6. Kaikoura — Seelöwen und Riementeufel
Kaikoura auf der Südinsel ist vor allem für Walkwal-Beobachtungen bekannt, aber unter Wasser bietet die Region ebenfalls Außergewöhnliches. Neuseeländische Seelöwen und Neuseeländische Pelzrobben schwimmen routinemäßig mit Tauchern in klarem Kaltwasser. Der kontinentale Schelf fällt nahe dem Ufer steil ab, was pelagische Begegnungen mit Hochseefischen und gelegentlich Hammerhaien möglich macht. Wassertemperatur: 10–16 Grad je nach Jahreszeit; Trockentauchanzug oder dicker Neopren empfohlen. Bootstauchgänge von Kaikoura. Beste Zeit: Dezember bis März. Empfohlen ab Advanced Open Water wegen Kälte und gelegentlicher Strömungen.
7. Bay of Islands, Northland
Die Bay of Islands bietet Warmwassertauchen nach neuseeländischen Maßstäben: Im Sommer 20–22 Grad, klares Wasser und eine Mischung aus Tropenfischen, die mit der East Auckland Current aus dem Norden angeschwemmt werden, und robusten subtropischen Riffbewohnern. Das Gebiet ist durchzogen von Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg, deren bekanntestes die HMNZS Canterbury ist — ein 130 Meter langer Fregatte, die 2007 intentionell auf 30 Meter versenkt wurde. Das Canterbury bietet penetrierbares Wrack-Tauchen mit einem Zugang, der für Wrack-Einsteiger konzipiert wurde. Ab Open Water für das Riff; ab Advanced und Wrack Specialty für das Schiffsinnere.
8. Tutukaka — Ariel und weitere Boote
In Tutukaka an der Northland-Küste, dem Abgangshafen für Touren zu den Poor Knights Islands, liegen auch eigenständige lokale Tauchplätze. Die Ariel, ein 30 Meter langes Motorsegelboot, wurde in der Tutukaka Bay auf 18 Meter versenkt und ist heute ein flaches, zugängliches Wrack voller Weichkorallen und Schnapper. Daneben bietet das Riff vor dem Ort Landeinstieg-Tauchen mit Kelp-Wäldern und regelmäßigen Seepferdchen-Sichtungen. Für alle Erfahrungsniveaus geeignet. Die lokale Tauchbasis bietet Gerätemietung und Kurse an.
9. White Island (Whakaari), Bay of Plenty
White Island ist Neuseelands aktivster Unterwasservulkan und bietet eine Unterwasserumgebung, die an keinem anderen Ort des Landes existiert: Hydrothermale Quellen am Meeresboden erzeugen Blasen, das Wasser ist in manchen Bereichen angewärmt, und schwefelhaltige Ablagerungen färben den Grund orange und gelb. Die Tierwelt hat sich an diese Extrembedingungen angepasst — Korallenforellen und Trevally schwimmen zwischen Schwefelaustritten. Bootstauchen von Whakatane; seit dem Vulkanausbruch 2019 gelten strenge Zugangsregeln an der Oberfläche, Tauchen im umliegenden Wasser ist weiter möglich. Empfohlen ab Advanced Open Water; geführte Touren obligatorisch.
10. Northland — Wracks der Bay of Islands und Cavalli Islands
Neben den bekannteren Plätzen verfügt Northland über eine Reihe weniger besuchter Wrack-Tauchplätze vor den Cavalli Islands, wo das holländische Handelsschiff Rainbow Warrior nicht das einzige Wrack ist. Weitere Boote und Fischereifahrzeuge wurden bewusst als künstliche Riffe versenkt und bieten Tauchen auf 20 bis 35 Metern. Schnapper und Kinfish sind in großer Zahl präsent; im Frühling und Sommer erscheinen Mantarochen im freien Wasser. Tagestouren von Paihia und Russell. Geeignet ab Open Water für die flacheren Positionen.
Praktische Hinweise
Neuseelands beste Tauchmonate sind November bis April, wenn die Wassertemperaturen auf der Nordinsel angenehmer sind und die Sichtweite ihr Maximum erreicht. Anreise erfolgt international über Auckland; Mietfahrzeuge ermöglichen flexible Routenplanung zwischen den Tauchgebieten. Die meisten Tauchbasen in Northland, Auckland und Kaikoura vermieten Ausrüstung und bieten Kurse an. Für Fiordland empfehlen sich Buchungen mehrere Monate im Voraus, da die Kapazitäten begrenzt sind. Alle Tauchplätze auf der interaktiven Karte lassen sich direkt erkunden — Karte öffnen.